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Grundlagen der Zerspanung

Die Basis, die du für alle Verfahren brauchst – Spanarten, Formeln, Kräfte.

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1. Was ist Zerspanung?

Zerspanung (auch spanende Fertigung) ist ein Fertigungsverfahren, bei dem Material durch Schneiden von einem Werkstück getrennt wird. Das abgetrennte Material heißt Span.

Zerspanung gehört zur Gruppe der trennenden Fertigungsverfahren nach DIN 8580. Typische Verfahren sind:

🔄
Drehen
🌀
Fräsen
🕳️
Bohren
Schleifen
Merksatz

Bei der Zerspanung wird Werkstoff durch eine Schnittbewegung (Werkzeug) und eine Vorschubbewegung (Werkstück oder Werkzeug) in Form kleiner Späne abgetrennt.

2. Spanarten

Je nach Werkstoff und Schneidbedingungen entstehen verschiedene Spanarten. Die Spanart beeinflusst Oberflächenqualität, Werkzeugverschleiß und Sicherheit.

Fließspan
zähe Werkstoffe (z.B. Stahl), gleichmäßig, lange Streifen
Lamellenspan
periodisch abscherend, wellige Oberfläche
Reißspan
spröde Werkstoffe (Guss), unregelmäßige Brocken
Scherspan
Übergang, Scherzonen sichtbar
Praxis-Tipp

Fließspan bei Stahl ist oft erwünscht – er entsteht bei richtigen Schnittbedingungen. Zu langer Fließspan kann aber zur Spanverwicklung führen → Spanbrecher einsetzen!

3. Schnittgrößen

Diese Größen beschreiben den Zerspanungsprozess. Du wirst sie ständig brauchen!

SymbolNameEinheitBedeutung
vcSchnittgeschwindigkeitm/minRelativgeschwindigkeit zwischen Schneide und Werkstück
nDrehzahlmin⁻¹Umdrehungen pro Minute (Spindel oder Werkstück)
fVorschubmm/UWeg pro Umdrehung in Vorschubrichtung
vfVorschubgeschwindigkeitmm/minVorschubweg pro Minute
apSchnitttiefe (axial)mmTiefe des Werkzeugeingriffs beim Drehen
aeSchnittbreite (radial)mmEingriffsbreite beim Fräsen
dWerkzeugdurchmessermmDurchmesser von Fräser, Bohrer oder Werkstück

4. Die wichtigsten Formeln

Drehzahl berechnen

Drehzahl n aus Schnittgeschwindigkeit vc
n = (vc × 1000) / (π × d)
n [min⁻¹], vc [m/min], d [mm], π ≈ 3,1416
Beispiel

Stahl, vc = 200 m/min, Fräser ∅50 mm:
n = (200 × 1000) / (3,1416 × 50) = 1273 min⁻¹ → am Stellrad: 1250 oder 1400 wählen

Schnittgeschwindigkeit berechnen

Schnittgeschwindigkeit vc aus n und d
vc = (π × d × n) / 1000
vc [m/min], d [mm], n [min⁻¹]

Vorschubgeschwindigkeit berechnen

Vorschubgeschwindigkeit vf
vf = f × n
vf [mm/min], f [mm/U], n [min⁻¹]

Spanungsquerschnitt (Drehen)

Spanungsquerschnitt A
A = f × ap
A [mm²], f [mm/U], ap [mm]
Achtung

Die vc-Werte aus Tabellen sind Richtwerte! Je nach Werkstoff, Werkzeugbeschichtung und Kühlung können die Werte stark abweichen.

5. Zerspankräfte

Beim Zerspanen entstehen Kräfte, die Werkstück, Werkzeug und Maschine belasten:

KraftSymbolRichtungAuswirkung
SchnittkraftFcin SchnittrichtungHauptantriebsleistung, Werkzeugverschleiß
VorschubkraftFfin VorschubrichtungBelastet Vorschubantrieb
PassivkraftFpsenkrecht zur BearbeitungsflächeVerbiegt Werkstück → Maßfehler!
Schnittkraft Fc (vereinfacht)
Fc = kc × A = kc × f × ap
Fc [N], kc [N/mm²] = spezifische Schnittkraft, A [mm²]
Spezifische Schnittkraft kc

kc hängt vom Werkstoff ab. Richtwerte:

  • Baustahl (S235): kc ≈ 1500–2000 N/mm²
  • Vergütungsstahl (42CrMo4): kc ≈ 2000–2800 N/mm²
  • Aluminium (AlMgSi): kc ≈ 400–700 N/mm²
  • Grauguss (GJL-250): kc ≈ 1000–1400 N/mm²

6. Werkzeugverschleiß

Jedes Werkzeug verschleißt mit der Zeit. Wer Verschleiß früh erkennt, spart Geld und bekommt bessere Teile!

VerschleißartBeschreibungUrsache
Freiflächenverschleiß (VB)Abrieb an der Freifläche der SchneideReibung Werkstück-Werkzeug
Kolkverschleiß (KT)Mulde auf der SpanflächeSpanreibung bei hoher vc
AufbauschneidenkanteWerkstoffanhaftung an der SchneideZu geringe vc, klebrige Werkstoffe
Thermoschock-RisseRisse durch TemperaturwechselUnterbrochener Schnitt, falsche Kühlung
Wann Wendeschneidplatte wenden?

Freiflächenverschleiß VB > 0,2 mm (Schlichten) bzw. VB > 0,4 mm (Schruppen) → Schneidkante wenden oder tauschen.

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Schnell-Rechner
Drehzahl n [min⁻¹]